Einführungsgottesdienst zum Lektorendienst

St. Paul Ganz Groß
Schon lange hatte man zu Gottesdienstbeginn vor St. Paul keine Menschenschlange mehr gesehen. Zumindest nicht zu Corona-Zeiten und beschränkten Besucherzahlen. Doch am 1. Sonntag nach Trinitatis, dem 6. Juni 2021, war dies anders. Die meisten Kirchenbesucher wussten, warum. Dennoch hörte man ein erstauntes „Pfingsten ist doch schon rum!?“ oder „Gibt‘s heute was Besonderes? Wir sind doch nicht vorm Kaufhof!?“
Gleich am Einlass stand des Rätsels Lösung in Gestalt von Petra Groß – strahlend, freundlich jeden willkommen heißend und in verständlicher Aufregung, denn es war ‚ihr‘ Tag. Der Tag, an dem sie offiziell zur ehrenamtlichen Lektorin der bayrischen Landeskirche ernannt werden sollte.

Petra Groß gehört seit 2018 dem aktuellen Kirchenvorstand von St. Paul an. Vom damaligen Ortspfarrer Stephan Schmidt ermuntert, entschied sie sich schon bald für die zweijährige nebenberufliche Ausbildung zur Lektorin. Pfr. Max von Egidy, momentan in der Vakanzzeit mit der Geschäftsführung des Pfarramtes betraut, erklärt, dass es in unserer Kirche zwei Arten von Lektoren gibt. Der ‚normale‘ Lektor ist zuständig für das Verlesen des Evangeliums und übernimmt eventuell auch andere Aufgaben im Gottesdienst wie etwa die Fürbitten oder das Austeilen des Abendmahls. Darüber hinaus gibt es noch - in enger Zusammenarbeit mit einem betreuenden Pfarrer - die offizielle zweijährige Ausbildung zum Lektorenamt, nach der der Lektor dann in Eigenverantwortung   Gottesdienste gestalten und leiten darf. Nur die Predigt ist eine sogenannte „Lesepredigt“, wobei mit der Zeit auch hier eine eigene Profilierung erfolgen kann.


Die Gemeinde St. Paul konnte Petra Groß in ihrer neuen Funktion bereits mehrfach kennen- und schätzen lernen – v.a., da die Pfarrstelle Heidingsfeld seit dem 1. Februar 2021 verwaist ist. So waren alle Anwesenden in der coronamäßig voll besetzten Kirche begeistert, als Pfr. Max von Egidy die neue Lektorin per Handauflegung segnete und ihr die von Dekan Dr. Slenczka unterschriebene Urkunde aushändigte. Im aufbrandenden Applaus war aber doch noch ein geseufztes „Unsere Petra Groß! Eine aus unserer eigenen Gemeinde!“ zu hören – und sogar: “Irgendwie ein lebendes Vermächtnis von Pfr. Schmidt!“

Mit der Predigt zu Jona 1 übernahm Frau Groß den weiteren Gottesdienst. Sie las die Jonasgeschichte zunächst aus der Kinderbibel vor. Anschließend zog sie mithilfe des Bayrischen Kochbuchs Vergleiche, das für die Zubereitung eines Fisches die ‚3 S‘ (säubern, säuern, salzen) empfiehlt. Entsprechend sind die Reinigung Ninives oder die Läuterung Jonas‘ zu sehen, das ‚Sauer-Sein‘ und die Wut des Jonas, als Gott sich barmherzig erweist und nicht hart durchgreift - und schlussendlich die lange und schwierige Zeit des Nachdenkens, die Jonas zur Besinnung bringt und die dem Leben die entscheidende Würze (Salz) gibt, indem man auf Gottes Wort hört.

Musikalisch bereicherte Renate Trautner mit ihrem Orgelspiel den gesamten Gottesdienst. Leider durfte immer noch nicht gesungen werden. Zusätzliche Glanzpunkte setzte Sabine Wohlfart, die mit klarer Stimme zur Gitarre zwei Lieder aus dem Liederheft für die Gemeinde vortrug.
Wer am Ende der Feier Grußworte erwartet hatte, wurde enttäuscht. Petra Groß hatte sich bereits vor dem Dankgebet bei allen bedankt, die sie unterstützt und ermutigt hatten: den Pfarrern, ihrer Familie, den Freunden und der Gemeinde. Pfr. von Egidy hatte nach der Segnung und Überreichung der Urkunde der neuen Lektorin gratuliert und sie mit einem Predigtbuch von Margot Käßmann beschenkt.
Beim Verlassen der Kirche oder im Gemeindesaal gab es noch Gelegenheit, Petra Groß ganz persönlich Glück zu wünschen. Mit hübschen bunten Blumensträußen taten dies der Seniorenkreis und das Kirchenkaffee-Team. Viele Einzelpersonen schlossen sich gerne diesen guten Wünschen an. Darüber hinaus wäre eine offizielle Gratulation aus den Reihen der eigenen Kirchengemeinde wünschenswert gewesen. Deshalb soll Ihnen, liebe Frau Groß, hier im Namen aller Paulaner von ganzem Herzen gedankt sein für Ihr Engagement und unser aller Segens- und Glückwünsche zum neuen Amt ausgesprochen werden! Vergelt’s Gott! (Karin Veit)