Hochzeitsbräuche beim Frauenfrühstück

Fünfzehn Jahre sind schon ins Land gegangen, seit Monika Kaeppel in der Gemeinde St. Paul das Frauenfrühstück leitet. Gratulation zu diesem Jubiläum! Anfangs, so berichtet sie, waren es manchmal über vierzig Damen, die sich am Mittwochvormittag zu gemeinsamem Austausch und dem Hören interessanter Vorträge trafen. Inzwischen hat die Schar sich leider verringert. Eine große Rolle dabei spielen Altersgründe oder auch die Tatsache, dass einigen der temporäre Umzug in das benachbarte Seniorenheim missfiel, der notwendig geworden war, als das Gemeindehaus umgebaut wurde.

Zum ersten Termin nach der Sommerpause 2018 fanden zwanzig Teilnehmerinnen den Weg in das Gemeindezentrum. Referent Dietrich Heber hatte einen Vortrag über ‚Allerlei Hochzeitsbräuche‘ ausgearbeitet, und die umsichtig vorbereiteten Tische luden passend zum Thema des Tages weiß geschmückt und reich gedeckt zum zweiten Frühstück ein. 

Hochzeitsbräuche gibt es viele – wo also anfangen und wo aufhören? Der Vortragende stellte zunächst mit Hilfe des Jahreskreises verschiedene althergebrachte Traditionen aus dem dörflich-protestantischen Aischgrund vor. Dabei ging es nicht nur um den Zeitpunkt der Heirat selbst, sondern auch um die Bräuche während der Zeitspanne vor der Hochzeit, in der die Brautleute zueinander fanden. Einiges war bekannt, wie der gemeinsame Sprung über das Sonnwendfeuer am Johannistag, der, wenn er gelang, ein Versprechen für ein ‚Beieinanderbleiben für ein Jahr‘ bedeutete. Anlässe zum Orakeln oder Austanzen gab es jedoch viele – sei es wegen eines besonderen Datums (z.B. Andreas- oder Thomastag, Jahreswechsel) oder wegen des Anlasses (Kirchweih, kirchliche Hochfeste). Und so vernahm man im Raum auch öfters ein erstauntes „Na sowas!“, wie etwa, als vom Pfefferleinstag berichtet wurde, an dem die Burschen die Mädchen in ihrer Schlafkammer besuchen und mit Weidenzweigen kitzeln durften, was als Heiratsversprechen galt. Regelrecht Mitleid entwickelte sich beim Hören von der (Un-)Sitte junger Frauen, übersalzene Heringe zu essen und anschließend nichts zu trinken, um ins Delirium zu fallen und dabei ihren Zukünftigen zu erblicken.  

Fotos alter Kirchenbucheinträge aus dem 17. und 18 Jahrhundert, ebenfalls aus dem Aisch- , aber auch dem Aurachgrund, belegten die wichtige Stellung der Kirche damals, denn bis in die 1880 Jahre gab es weder Einwohnermeldeamt noch Bürgeramt oder –kartei.

Den Eintragungen der jeweiligen Pfarrer zufolge durfte nur der getraut werden, dessen Aufgebot dreimal in der Kirche verkündet worden war. War bereits vor der Ehe ein Kind unterwegs, wurde auch dies im Kirchenbuch vermerkt, und die Brautleute durften nur ein ‚Stille Hochzeit‘ halten. Das bedeutete: keine Trauung an einem Sonntag, sondern meist an einem Mittwoch, keine Blumenkinder und keine Musikkapelle beim Geleitzug durch das Dorf und v.a. statt einer prächtigen Brautkrone nur eine solche aus Stroh, damit alle Schaulustigen sich in Schmährufen ergehen konnten.

Bestens mitreden, mitunter auch eigene Erlebnisse beisteuern, konnten alle Anwesenden beim Frauenfrühstück, als es um den Ablauf eines Hochzeitstages ging. Polterabend, Ehevertrag, Eheringe (bei armen Leuten früher kunstvoll aus Langhaar des Brautpaares geflochten), Speiseplan, Kaffee-Umzug, Tanz, Brautschuh- oder Brautkranzwerfen, ja sogar das ‚ius primae noctis‘, das Vorrecht des Landesherrn auf die Brautnacht, - nichts wurde vergessen.

Eine Sammlung verschiedener Hochzeitsbilder aus den Jahren 1896 bis 1954 bildete den Abschluss des unterhaltsamen Vortrags. Sehr interessant zu sehen war, wie sich das Aussehen von Menschen, Brautschmuck und Mode über diesen Zeitraum entwickelte, der zwei Weltkriege, die Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit umspannte. Beispielsweise trugen die Bräute lange Zeit eine Brautkrone zu dem schwarzen (!) Festgewand, das in protestantischen Dörfern üblich war. Später wurde die Brautkrone ersetzt durch einen weißen Schleier, und erst nach dem 2. Weltkrieg findet sich die heute übliche ‚weiße Braut‘ mit weißem Kleid und weißem Schleier.

Allgemeine Heiterkeit brach aus, als man feststellte, dass auf beinahe jedem Foto eine weitere Person ebenso ins Auge fällt wie die Braut: die Hochzeitsköchin! Mit weißer Schürze auf dunklem Kleid, manchmal bewaffnet mit einem großen Kochlöffel, steht sie an der Seite und weist auf ihr wichtiges Amt hin.

Ein anregender Vormittag ging fröhlich zu Ende. Monika Kaeppel dankte dem Referenten und übergab ihm ein Büchergeschenk mit der Bitte, sich im nächsten Jahr wieder in die Vortragsreihe einzubringen. Auch ihr ein Herzliches Dankeschön im Namen der Damen des Frauenfrühstücks, die sich über weiteren Zuwachs in ihren Reihen freuen würden. Es lohnt sich auf alle Fälle!

kvt