Der Kirche auf der Spur…

Ein Text von Karin Veit

Es ist traurige Wirklichkeit, dass die christliche Kirche momentan von allen Seiten angegriffen wird und Gläubige beider Konfessionen – aus welchen Gründen auch immer - vermehrt aus ihren Kirchen austreten. Sich jedoch einfach von der allgemeinen negativen Sichtweise anstecken zu lassen, ist der falsche Weg. Vielmehr kommt es darauf an, sich zu besinnen, welches Bild von ‚Kirche‘ die Bibel vermittelt und wie wir es in unserem Alltag umsetzen können.

Pfarrerin Herma Teschke hat deshalb in der ersten Jahreshälfte 2022 zur Trendwen.de eingeladen, einer Serie von sechs Themengottesdiensten, die erkennen lassen sollen, was ‚Kirche‘ ausmacht und dass in ihr „das Licht noch nicht aus ist“. Eine Leucht-Spur der Kirche soll aufgezeigt werden:

06. März: Kirche – Du bist was.
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) definiert die Gemeinde Christi, die Ur- bzw. erste Kirche. In seinem Brief an die Gemeinde in Korinth vergleicht Paulus Christi Leib mit der Gemeinde (1 Kor. 12, 12ff), die trotz aller Vielfalt eine Einheit ist – ebenso wie die einzelnen Gliedmaßen gemeinsam einen Leib bilden. Pfarrerin Teschke erweiterte diese Sicht auf unsere Gemeinde St. Paul und strich heraus, dass auch die Mitglieder einer modernen Kirchengemeinde durchaus als Glieder am Leib Christi zu verstehen sind. Auch heute kann nicht jeder alles und braucht die Unterstützung des anderen. So könnte man etwa am Leib Christi – für die Kirchengemeinde – das ‚Auge‘ sein und sehen, was gut ist; ebenso aber auch, was nicht stimmt und behoben werden muss. Oder der ‚Mund‘, der weitersagt und meldet, was gut ist oder geändert werden müsste. Oder ‚Hand und Fuß‘, die helfend eingreifen, wo es nötig ist, und z.B. Briefe und Gemeindeblätter austragen. Oder … oder … oder … Ein Leib hat unzählig viele, auch ganz kleine, scheinbar unbedeutende und doch lebenswichtige Teile. „Wo, liebe Heidingsfelder Gemeindeglieder, sehen Sie Ihre Funktion am Leib Christi?“

20. März: Kirche – Du kannst was.
Da ist erst einmal die Landeskirche – die aber, wie man weiß, wie alle Kircheninstitutionen, gerade mit vielen bekannten Problemen zu kämpfen hat: Mangel an Seelsorgern, Einschränkungen durch Corona, Aufarbeitung von Missbräuchen, zurückgehenden Finanzen bei steigenden Kosten usw.  Aber: Wir gemeinsam sind ja Kirche! Jeder Getaufte ist Christ, und als Christen sind wir Repräsentanten Jesu. Wir stehen für sein Programm und unser Ziel sollte es sein, seine Interessen zu vertreten. Was sind die Interessen Jesu? In erster Linie, anderen Menschen in Not und Bedrängnis zu helfen – in allen Sorgen wie z. B. Einsamkeit, Armut oder Krankheit. Christliches Verantwortungsbewusstsein sollte uns dazu bringen, nach genauer Prüfung des Einzelfalles, uns im Rahmen unserer Möglichkeiten diakonisch, karitativ und sozial zu betätigen.
In diesem Zusammenhang hatte Pfarrerin Teschke Heidingsfelder Organisationen gebeten, sich der Gemeinde vorzustellen:
In der Nachbarschaftshilfe ‚Eine Stunde Zeit füreinander‘ bieten Menschen Anderen ehrenamtlich und unter Schweigepflicht ihre Zeit und Hilfe an – etwa zum Altenbesuch, Babysitten, Einkaufen oder für kleine handwerkliche Dienste, als Begleitung auf Ämter oder Ausfüllen von Formularen.
Für die Diakonie waren Andreas Fritze (ev.-luth.) und Toni Barthel (röm.-kath.) gebeten, ihre Arbeitsbereiche vorzustellen. Andreas Fritze berichtete von seiner Tätigkeit im Wohnstift und Pflegeheim St. Paul, der Seelsorge bei Krankenbesuchen, Sterbefällen, Angehörigen sowie Mitarbeitern und Gottesdiensten in den Wohnbereichen – wobei er oft gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen überkonfessionell tätig wird. Toni Barthel war persönlich nicht zugegen. Er ließ einen Kurzbeitrag verlesen, der sein Engagement für Menschen mit Behinderungen zeigte, denn er arbeitet u.a. in drei Wohnheimen der Behindertenhilfe, in der zur Lebenshilfe Würzburg gehörenden Christoforus-Schule und in der Schule für Hörbehinderte.
Der zum Diakonischen Werk gehörende Familienstützpunkt Kunterbunt hat seine Räumlichkeiten in der Reuterstraße derzeit Flüchtlingen aus der Ukraine zur Verfügung gestellt und trifft sich je nach Programm im Freien oder im Stadtteil-Laden. Dabei wird auf die Bedürfnisse der Kinder ebenso eingegangen wie auf diejenigen der Eltern (Freispiel, Vorlesen, Basteln, Hebammensprechstunde, Erziehungskurse). Außerdem gibt es die Möglichkeit, detaillierte online Beratungen wahrzunehmen. Zum Diakonischen Werk gehört ebenfalls das Jugendzentrum, das sich in der Hofmannstraße befindet. Es bietet Jugendlichen Räumlichkeiten zu Spiel, Spaß und Gemeinsamkeit. Gute Betreuung durch Sozialpädagogen sowie Problemberatung gehören auch dazu. Begeistert aufgenommen wurde die letzte Neuerung: ein Fan-Projekt in Kooperation mit den Würzburger Kickers.

15. April: Kirche – Du fängst neu an.
„Beichte und Betrachtung des Kreuzes“ war ebenfalls zu lesen auf der Ankündigung für diesen Tag. Natürlich: Es war Karfreitag 2022.
Pfarrerin Teschke stellte den Gottesdienst in den Spannungsbogen zwischen einer Abenteuergeschichte des Kinderbuchautors Günter Herburger (‚Birne‘-Erzählungen), der Ausführung des Apostels Paulus im ersten Korintherbrief (1. Kap.) und einer Aussage des Dichters Matthias Claudius.
‚Birne‘, die fröhlich-barmherzige Hauptfigur der Kindererzählung, ruft Jesus um Hilfe bei einem Unfall. Jesus bringt sich und seine Heilungskräfte ein – zum Staunen der Umstehenden, die ihn wie einen Superhelden feiern. Als man ihn zurück in die Kirche bringen und wieder ans Kreuz heften will, verweigert er das und bleibt bei den Menschen, die daraufhin alle Kreuze abschaffen: Menschliches Leben, betrachtet durch die rosarote Brille des Wunschdenkens, denn Superhelden gibt es nur in Filmen oder Comics.
Die Funktion Gottes als Herr über Leben und Tod wird hierbei übersehen. Leid, Schmerz und Sterben, Schuld und Sühne, d.h. das Kreuz, gehören elementar zum irdischen Dasein!
Paulus legt dar, dass sich gerade im Kreuz die von der Welt nicht erkannte Weisheit und Stärke Gottes zeigt. Für die Juden ist es ein Zeichen von Ärgernis und Skandal, für die Griechen eines von Torheit und Tod – für die Christenheit aber steht das Kreuz für ein realistisches Menschenbild, in dem die Sünde ihren Platz hat und die Schuld durch Sühne Vergebung findet. Jesu Tod am Kreuz vermittelt, dass Gott bei uns ist – auch in Leid, in Not und selbst im Sterben. Nur durch Gott kann die Welt – und damit jeder Einzelne – erlöst werden. Aber nur dem, der glaubt, ist diese Hoffnung gegeben. Gott ist der Halt in unserem Leben. Das Todeszeichen des Kreuzes wird zum Siegeszeichen, zum Wegweiser zu einem neuen Anfang und in eine neue Welt.
Diese christliche Gewissheit spiegelt sich auch in den Worten des tiefgläubigen Matthias Claudius, den Pfarrerin Teschke am Ende ihrer Predigt zitierte: „Etwas Festes muss der Mensch haben, daran er zu Anker liege…“

Halbzeit! Die Hälfte der Predigtreihe ist vorüber. Zunehmend mehr Besucher haben sie gehört. Vielleicht hat es sich herumgesprochen, dass es sich lohnt, zuzuhören. „Man bekommt Denkanstöße und kann etwas mit nach Hause nehmen“, wie eine ältere Dame meinte. Die Antwort kam prompt von jüngerer Seite: „Wer sich das nicht anhört, ist selber schuld!“

Kirche – du feierst Feste ist am 15. Mai, Kirche – du kannst hoffen am 26. Juni und die letzte Predigt der Reihe, Kirche – du bist alter-nativ, am 03. Juli.

Kommen Sie und hören Sie selbst! Sie sind herzlich eingeladen!