Vorstellungsgottesdienst der Konfis 2022

Hätte ich nie gedacht … echt super Kirchgang…“ waren die letzten Wortfetzen, die an meine Ohren drangen, als ich, an noch immer vollbesetzten Stehtischen vorbei, gegen halb zwölf den Vorplatz von St. Paul verließ. Was war geschehen?

Zwanzig Jugendliche – elf Mädchen und neun Jungen – werden im Mai in St. Paul konfirmiert. Am Sonntag, dem 03. April 2022, war ihr Vorstellungsgottesdienst. Sie hatten ihn in ihren Konfi-Stunden und auf der Freizeit mit Unterstützung von Diakon Timo Richter und Frau Kerstin Lange selbst konzipiert. Die Gemeinde war mit auffallenden gelben Plakaten dazu eingeladen worden. Als Motto für den Gottesdienst hatten sie „Die Welt ist bunt – Gott sei Dank“ gewählt.
 


An diesem Sonntag war St. Paul endlich wieder einmal voll besetzt. Außer den ‚normalen‘ Kirchenbesuchern waren alle zwanzig Konfirmandinnen und Konfirmanden anwesend, und fast alle hatten ihre Familien dabei. Mütter, Väter, Geschwister, Großeltern, Paten, Tanten, Onkel und Freunde – ausnahmslos warteten sie gespannt auf den Auftritt ‚ihrer‘ Konfis. Die hatten sich überall im Kircheninneren verteilt um noch schnell Blätter an Säulen und Wänden aufzuhängen, auf denen unter einem bunten Regenbogen der erweiterte Bibelspruch 1 Mos. 12,2 stand: „Ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen: sei offen, sei bunt und trag die Farben in die Welt hinaus.“ Passend hierzu waren die Kirchenbänke mit farbenfrohen Kreppbändern geschmückt und im Verlauf des Gottesdienstes ertönte immer wieder das Lied „Regenbogenfarben“ von Kerstin Ott.

 


Der ‚bunte Haufen‘, wie Diakon Richter und Kerstin Lange ihre Konfis nannten, sammelte sich frohgemut auf den Stufen zum Altarraum. Es war ein leicht bizarrer Anblick: zwanzig quirlige junge Leute, die Gesichter verhüllt durch FFP2-Masken, vis-a-vis zur ebenfalls Corona-bedingt ‚vermummten‘ Gemeinde. Diesem (notwendigen) Umstand war es leider geschuldet, dass man – trotz herumgereichtem Mikro - nicht alles verstehen konnte, als die jungen Menschen sich vorstellten. Sie nannten jeweils ihren Namen, ihr Alter (13 – 15 Jahre), ihren Wohnort (Einzugsbereich von St. Paul, dazu Randersacker und Estenfeld) und verrieten, warum sie sich konfirmieren lassen wollen. Ihre Gründe reichten von „weil ich neue Freunde finden will“ über „ich möchte Gott kennenlernen“ bis zur „Bestätigung der Taufe“.
In der Konfirmation bekennen sich Christen bewusst zu ihrem Taufversprechen. Deshalb kann nicht konfirmiert werden, wer vorher nicht getauft war. Zur diesjährigen Konfi-Gruppe gehört auch die bis dahin ungetaufte Lisa Vasilev, die in einer eindrucksvollen, feierlichen Zeremonie von Pfarrerin Herma Teschke das Sakrament der Taufe empfing. Fasziniert blickten die Anwesenden auf den glitzernden Strahl kristallklaren Wassers, den Pfarrerin Teschke aus hoch erhobenem Krug in das geschmückte Taufbecken laufen ließ. Gleichzeitig verlesene Bibelworte wiesen eindringlich auf die – auch im übertragenen Sinn - reinigende, heilsame und lebensspendende Kraft des Wassers hin. Einige Kinder hatten sich aus den Bänken gestohlen, um näher am Geschehen zu sein.  Lisa, in einem hübschen, weißen Spitzenkleid, legte öffentlich ihr Taufversprechen ab, wurde im Namen des dreieinigen Gottes mit Wasser getauft und empfing zum Gedenken an diesen Tag einen Kreuz-Anhänger sowie ihre an der Osterkerze entzündete Taufkerze. Pfarrerin Teschke begrüßte sie herzlich in der weltweiten Gemeinschaft der Christenheit. Außerdem gab sie ihr aufgrund eigener Erfahrung gute Ratschläge wie z.B., sie solle, wenn ihr Lebensweg sie in andere Gegenden, Länder oder Kontinente führe, dort einmal die Kirchen anderer Christen besuchen – man könne sich überall in der großen christlichen Familie zuhause fühlen.

 


Diesen Teil des Gottesdienstes hatten die Konfis natürlich nicht durchführen können, doch hatten alle eine bunte Rose für ihre Mitkonfirmandin, die diesen Strauß später mit heimnehmen durfte. „Echt super“ setzten die Jugendlichen ihre Gedanken im und zum Gottesdienst um. Die Lieder, die Organist Jonas Klante professionell begleitete, waren modern und passend ausgewählt, die Gebete auf Anlass und Zeit abgestimmt, das eingeschobene Anspiel unterhaltsam und berührend – und statt einer Predigt entwickelte sich ein Gespräch zwischen zwei Konfis und ihrem Diakon über den anfangs angesprochenen Moses-Text. Diakon Richter durchleuchtete den Spruch für die beiden und veranschaulichte ihnen anhand gemeinsamer Erinnerungen an die Konfi-Freizeit, wie man sich zuerst hatte zusammenraufen und die besonderen Begabungen der anderen hatte ‚checken‘ müssen, bevor Teamwork, Vertrauen und gemeinsamer Glaube entstanden waren. Letztendlich hatten die Konfis - und damit auch die Gemeinde – verstanden, dass gerade die von Gott geschaffene und geschenkte Vielfältigkeit das Besondere / Bunte des menschlichen Lebens und Miteinanders ausmachen. Dazu gehören nicht nur die Stärken und Fähigkeiten, sondern auch die Schwächen und Fehler jedes einzelnen. Gott liebt und segnet uns, so wie wir sind und weil wir so sind! Es geht darum, offen mit sich und anderen umzugehen, dabei aber immer im Vertrauen auf Gott und seine Liebe zu uns.

 

„Herr, wir bitten dich für uns alle hier und überall. Du hast uns bunt und vielfältig gemacht. Dafür wollen wir dir danken. Durch dich ist die Welt bunt, und das ist gut so“ beendeten die Konfis ihren Gottesdienst vor dem Vaterunser und dem Segen. Danach luden sie ein auf den immer noch verschneiten Kirchplatz, wo sie einladend Stehtische aufgebaut hatten und mit Getränken und selbstgebackenen Muffins die Gäste bewirteten.
Außerdem war man aufgefordert, die neu gestalteten Jugendräume im Gemeindehaus anzusehen. Hier hatten sich, wie im letzten Gemeindeblatt zu lesen war, Heidingsfelder Familien und Firmen mit Tat und Spenden großzügig eingebracht und zu der jetzigen fröhlichen, bunten und jugendgerechten Atmosphäre beigetragen. Ihnen allen nochmals herzlichen Dank! Ebenso der Sparkasse, die weitere €800 zur Verfügung gestellt hat, womit demnächst zusätzliches Inventar erstanden werden soll.

 

Nicht zu vergessen aber sind alle diejenigen, die das Gelingen des Vorstellungs- und Taufgottesdienstes ermöglicht haben: großes Kompliment und begeistertes Dankeschön! Das war ein rundum gelungener Sonntagvormittag – wie auch schon jemand gleich vor St. Paul festgestellt hat!
(Karin Veit)