Karin Veit interviewt Pfarrer Stephan Schmidt zum Abschied aus St. Paul

Pfarrer Stephan Schmidt verabschiedet sich
Bildrechte: Eva Ziegler

Karin Veit interviewt Pfarrer Stephan Schmidt zum Abschied aus St. Paul

Herr Pfarrer Schmidt, Sie haben einem kleinen Interview zugestimmt. – Sie sind in Kulmbach geboren und bekommen nun die Pfarrstelle Kulmbach-Melkendorf. Könnte man sagen, dass sich für Sie damit ein Kreis schließt?

Auf alle Fälle! Das gilt sowohl für Familie, als auch für Freunde und Berufskollegen, die ich dort wiedertreffe.

Was war Ihr erster Berufswunsch?

Koch! Ich habe als Kind in einer Theateraufführung einen Koch dargestellt, und das hatte mich wohl stark beeindruckt.

Apropos ‚Koch‘ – haben Sie ein Lieblingsessen?

Längeres Nachdenken.
Fränkische Klöss, Braten und viel Sauce! Aber eigentlich schmeckt mir alles!

Was lieben Sie an Ihrem Beruf als Pfarrer?

Die Vielseitigkeit. Den Umgang mit Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Die unterschiedlichen Lebenssituationen. Auch die Verwaltungsarbeit macht mir nichts aus. Am meisten aber schätze ich die Kasualien (= Taufe, Hochzeit, Beerdigung). Spirituellen Zuspruch und reflektierte Seelsorge halte ich für eine meiner Stärken.

Was mögen Sie weniger?

Statistiken. Manche sind notwendig und sinnvoll. Manche aber sinnlos und pure Zeitverschwendung.

Wie erholen Sie sich? Haben Sie Hobbys?

Der Aufenthalt an der frischen Luft tut mir immer gut. Wandern, Nordic Walking, Radeln – suchen Sie sich etwas aus. Zusammen mit meiner Frau und Freunden erkunde ich gern die Schätze der Region.
Und dann gibt es da noch das Märchenspiel. Zuerst war ich ‚siebter Zwerg von links‘ bei ‚Schneewittchen‘ und jetzt der gefräßige König im ‚Gestiefelten Kater‘. Der ist zwar durch Corona verschoben worden, soll aber 2021 doch noch zur Aufführung kommen! Die Verbindung zum Märchenmusical ist natürlich die Musik – ich habe ja einige Jahre auch im Kirchenchor St. Paul mitgesungen.

Unter- und Oberfranken. Sie kennen beides. Inwieweit unterscheiden sich die Menschen?

Beide leben am selben Fluss. Die Unterfranken am ‚Mee‘ sind offener, lebensfreudiger, zugänglicher. Kommen schnell ins Gespräch, rücken auf der Bierbank zusammen, um andere dazu zu lassen. Die Oberfranken leben am ‚Maa‘, sind zurückhaltend und schwerfällig, aber genauso wertvoll. Man sondert sich ab von Fremden. Hat jemand einmal Zugang gefunden, so ist es meist eine belastbare Freundschaft. Ich habe keine Angst – ich kenne diese Lebensart und die Leute!

Drei Adjektive, mit denen Sie Ihre Zeit in Heidingsfeld beschreiben würden?

Intensiv – bereichernd – nie langweilig!

Was haben Sie in St. Paul besonders schätzen gelernt – beruflich und privat?

Kooperation und Kreativität. Gerade in der Corona-Zeit. Ich denke da besonders an unsere Mesnerin und das Kindergottesdienst-Team.
Privat waren es die Angebote der Großstadt Würzburg und die ländliche Eingebundenheit im Städtle. Ich habe mein Wissen über den Wein vervollkommnen dürfen und kann jetzt sogar Rebsorten und Bodenbeschaffenheit herausschmecken!

Nehmen Sie Ideen aus St. Paul mit an Ihre neue Stelle?

Ich möchte mehr Kooperation einführen entsprechend der PuK (= Profil und Konzentration) Vorgaben unserer Kirche. Ich möchte den ‚Paulini‘-Gottesdienst für die Kleinsten nach Melkendorf mitnehmen. Und Freiluftgottesdienste werde ich organisieren. Außerdem wäre es schön, wenn sich in der neuen Gemeinde ein ‚Bibelimpuls‘ installieren ließe. Diese Zusammenkünfte empfand ich immer als sehr bereichernd. Aber vor allem werde ich früher ‚Nein!‘ sagen.

Haben Sie einen Abschiedswunsch an die Gemeinde St. Paul?

Bleiben Sie offen! Offen für einen Neuanfang. Offen für eine/n neue/n Pfarrer/in!

Vielen Dank, lieber Herr Pfr. Schmidt, für dieses Gespräch. Leider darf es derzeit wegen der Pandemie-Maßnahmen keinen ‚richtigen‘ Abschied von der Gemeinde geben. Wir alle hoffen, dass dies im Laufe des Jahres nachgeholt werden kann. Bis dahin:  Herzlichen Dank für Ihre segensreichen Jahre in St. Paul! Auch Ihnen einen guten Neuanfang und Gott befohlen! (kvt)