Märchentheater 2018

Der Froschkönig. - Sie hat es tatsächlich doch wieder geschafft!
Sie, Angela Leupold, Mastermind der inzwischen allseits bekannten Theatergruppe Märchenspieler St. Paul, hat mit ihrem neuen Stück Froschkönig wieder alle Erwartungen übertroffen und eine äußerst gelungene Überarbeitung des altbekannten Märchens der Gebrüder Grimm. „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ geliefert.

Seit 2007 freuten sich jedes Jahr zuerst die Kindergartenkinder und ihre Eltern über die Aufführung eines Märchens mit Musik und Liedern, dann die zugehörige Kirchengemeinde. 2014 wurde die neu erbaute KiTa St. Paul mit ihrem schönen Mehrzweckraum eingeweiht, der auch von den Märchenspielern genutzt wird. Theaterinszenierungen, Bühnenausstattung, Garderobe und Technik haben sich von Jahr zu Jahr verbessert und inzwischen ein regelrecht professionelles Ausmaß angenommen – man sehe sich z. B. nur einmal die Traverse mit den Beleuchtungskörpern an!

Angela Leupold, studierte Musikerin und Schauspielerin, einst „Kindergartenmutti“, ist ihrem alten Kindergarten treu geblieben. Gemeinsam mit einem Stamm ebenfalls ehemaliger Kindergarteneltern und dem Pfarrer von St. Paul, Stephan J. Schmidt, führt sie alljährlich ein neues Märchenmusical auf, wobei sie selbst Lieder und Texte schreibt, Tanzeinlagen vorgibt, als Regisseurin die Aufführung mit den Spielern einstudiert und in eigener Person auch noch eine der Hauptrollen übernimmt.

Beim diesjährigen Märchenmusical Froschkönig kommt jeder auf seine Kosten. Das Stück wurde modern umgestaltet: Statt einer Hexe tritt eine anmutige Fee als Vertreterin der Zauberwelt auf; man erlebt den oft langweiligen Alltag der gesamten fünfköpfigen Königsfamilie und begleitet den zunächst hochmütigen, später geläuterten Prinzen bei seinem Abenteuer. 
Fantasie anregende Magie (Auftritte der Fee; Gespräch Pferd - Frosch) ist im Froschkönig ebenso enthalten wie überkommene Wertmaßstäbe (Königin: „Contenance!“) und die Einforderung von Höflichkeit und gutem Betragen (König: „Was man versprochen hat, muss man auch halten!“ – Song: „So ein Frosch ist nicht so übel wie er scheint!“). Unwiderstehlicher Lachreiz (schmierige Anmache der Königstochter durch den Frosch; Überlegung der beiden
Schwestern, wie sich das Küssen eines Frosches wohl anfühlt) wird abgelöst vom Anstoß zum Nachdenken über Unerklärliches (Song: „Manchmal gibt es Wunder, glaub nur fest daran!“) und der Aufforderung zur Selbstfindung und Selbstbehauptung (Duett: „Sei einfach echt …Trau dich was, hab einfach Mut!“) Romantische Weisen wechseln ab mit flotter Musik, amüsante Liedtexte mit nachdenklichen Passagen. Einstudierte witzige Choreografie unterstreicht die Texte und fordert das Auge. Liebhaber der Gebrüder-Grimm-Version freuen sich beim Wiedererkennen von Altbekanntem, wie z.B. der Aufforderung des Frosches „Königstochter, jüngste, mach mir auf!“, dem Springen des Metallbandes, das der eiserne Heinrich um seine Brust trägt, oder dem „…und wenn sie nicht gestorben sind…“ am Ende des Stückes. Verfechter neuerer Ausdruckformen begrüßen die aufmüpfige Art der Königstochter, die der Aufforderung ihres Vaters ein freches „Nee – wie jetzt?!“ entgegensetzt und lieben das Wortgefecht von Frosch und Prinzessin mit so schönen Begriffen wie „Wasserpanscher“, „Oberzicke“ oder „Schleimklops“.

Alexandra Kastner, die höchst unterhaltsam Prinz bzw. Frosch mimt, sagte kürzlich: „Welche Kirchengemeinde außer St. Paul hat schon eigene Märchenspieler? Regional kenne ich keine. Und wahrscheinlich gibt es so etwas auch in ganz Bayern nicht noch einmal!“

Recht hat sie! Man kann nur voller Überzeugung zustimmen und gratulieren – der Gemeinde St. Paul, der Theatertruppe und v.a. den Darstellern, die allesamt begeistert ihr Bestes geben und mit ihrer Freude am Spielen jedes Mal die Zuschauer mitreißen. - kvt -