Martinsfeier 2018

Aufgeregtes Gemurmel in der abgedunkelten Kirche St. Paul. In den Gängen geparkte Kinderwagen. Drei- und vierrädrig, Ein- und Zweisitzer. Und viele bunte Lichter. Die KiTa begeht ihre Martinsfeier.
Sechzig Kinder gehören zur KiTa St. Paul, und zwei Drittel davon sind mit Eltern und Großeltern gekommen
– außerdem ein paar der Ehemaligen, die jetzt schon in der Schule sind, und ein paar Kinder, die erst 2019 dazu gehören werden.
Eine stattliche Kinderschar ist es, die da Lampion-schwingend und voller Erwartung in die Kirche einzieht. Jede der KiTa-Gruppen ist an ihren selbst gebastelten Laternen zu erkennen: die großen Raben zeigen voll Stolz ihre kunstvollen Martinsgänse; die kleinen Käfer und Mäuse halten konzentriert ihre Papptellerlaternen und die zahlreichen Eichhörnchen erkennt man an ihren gezackten roten, blauen. gelben und grünen Sternen.
Mit Mühe gelingt es Alexandra Meule, der Leiterin der KiTa, und Diakonin Magdalena Kurth, die Aufmerksamkeit von Kindern und Erwachsenen auf das eigentliche Anliegen des heutigen Kirchbesuches zu lenken: auf den Gottesdienst über Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe und über das Leben und Wirken des heiligen Martin. Die größeren Kinder bauen einen kleinen Altar auf, auf den sie eine zweiteilige rote Tischdecke legen, die später von Martin als Mantel verwendet wird. Darauf kommt  ein großes Holzkreuz und eine Kerze, die ein Junge unter Aufsicht vorsichtig anzündet. Später wird die Martinslegende vorgelesen, immer wieder unterbrochen mit den Strophen des Martinsliedes, das Kantorin Rebekka Leitloff auf dem elektrischen Klavier begleitet:

St. Martin ritt durch Schnee und Wind…
Im Schnee, da saß ein armer Mann…
… Sankt Martin mit dem Schwerte teilt‘ den warmen Mantel…
und
Sankt Martin gab den halben still … ritt in Eil hinweg mit seinem Mantelteil.

 

   


KiTa-Kinder spielen dabei mit großem Einsatz die Martinsgeschichte mit. ‚Martin‘ reitet vergnügt mehrmals im Kreis herum; der ‚Bettler‘ bittet mitleiderregend um milde Gaben; ‚Martin‘ holt weit aus, schwingt sein hölzernes Schwert, teilt seinen Mantel und reitet schließlich davon…
Mit offenem Mund hören und schauen die Kleinen zu. Was die Vorleserin nun noch liest, verstehen sie weniger, doch die Großen staunen, als sie hören, dass Jesus Martin im Traum erschienen ist, bekleidet mit dem halben Mantel. „Was er dem armen Mann getan hat, das hat er mir getan!“ hörte Martin in jener Nacht. Tags darauf ließ er sich taufen, verließ die römische Armee und beschloss, Jesu Nachfolge anzutreten.

Mehr und mehr breitet sich Unruhe aus. Die Kinder drängen mit ihren Lampions ins Freie, doch zuvor werden noch die „Drei Neuen der KiTa“ unter allgemeinem Beifall willkommen geheißen. Frau Meule begrüßt die beiden neuen Team-Mitarbeiterinnen Lisa Neder und Regina Scheller und die Praktikantin Paulina Linse. Auch Pfr. Stephan Schmidt freut sich über den Zuwachs und übergibt allen im Namen der Gemeinde St. Paul ein kleines Willkommensgeschenk.

Nun endlich geht es hinaus zu dem ersehnten Laternenumzug. Wenn Kinder sich freuen, können sie nicht mehr ‚normal‘ gehen – sie hüpfen, rennen, tanzen, hopsen, springen. Und genauso hüpfen, rennen, tanzen, hopsen und springen die bunten Lampions in den Fäusten der Kleinen, werden über den Boden geschleift, in Mamas Hand gedrückt oder Papa vor der Nase herumgeschwenkt, wenn dieser den Nachwuchs schon auf den Schultern trägt. Um die historische Stadtmauer herum flackert der Lichterzug. Vier Sing-Stationen gibt es dabei, wo der Cousin der KiTa-Leiterin („Wirtshausmusi Andreas Hemming“) mit seinem Akkordeon für schwungvolle musikalische Untermalung sorgt. Die Erzieherinnen sammeln ihre Kinder um sich und stimmen an: Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne… oder Durch die Straßen auf und nieder u.a. klingt es lauthals durch den Novemberabend. Manch ein Anwohner schaut aus dem Fenster oder öffnet schnell die Haustür, um ein bisschen mehr von dem Spektakel mitzubekommen. Die Lampions in der Mitte des fröhlich singenden Kreises sieht man kaum, dafür aber viele – ebenfalls leuchtende – Tablets und Smartphones in den Händen der Erwachsenen, die die Kinderschar umringen und alles fotografieren oder filmen wollen.
Nach der letzten Singrunde vor St. Paul geht es für die Laternenkinder und ihre Begleitung noch einmal in die KiTa. Putenwürstchen im Wecken, mürbe Martinsgansplätzchen und warmen Punsch hat sich jeder als Belohnung verdient! - kvt -